Tränen und Verzweiflung

copyright by Konni Br.












Alleingelassen


Wieder drängt sich mir auf
das Gefühl der Überforderung
des Alleingelassenseins
der fehlenden Stütze
der Perspektivlosigkeit
der Ohnmacht

befallen von Angst
schwerem Atem
innerem Zittern
fehlender Ruhe

mein Körper erzählt mir
die Nöte meiner Seele

doch überhören kann ich nicht
das leise Säuseln des Windes
die harmonischen Klänge der Musik
übersehe nicht
die Zuneigung meiner Kinder
die Anmut einer Rose

die liebenswerte Vielfalt in mir



Sumpf


Es ist, als ob ich dir eine Hand reichen würde
und du kannst sie nicht erreichen

als ob du Angst hättest, mit mir weiterzugehen
einen neuen Weg zu finden

als ob du Beine hättest
und kannst deinen Weg nicht gehen

als ob du Augen hättest
und willst deine Freiheit nicht erkennen

als ob du Ohren hättest
aber meine Worte erreichen deine Seele nicht

als ob du ein Herz hättest
aber für mein liebendes Werben bist du kalt

angstvoll, isoliert bleibst du stecken
in deinem eigenen Sumpf



Scheideweg


Vergessen
hatte ich deine Maskerade
deine Distanziertheit

vergessen
dein berechnendes Wesen
deine Gefühllosigkeit
deine Makellosigkeit

vergessen
dein perfektes Aussehen
deinen Egoismus
deine Lieblosigkeit

selbst am Scheideweg







Spiegelbild


Tränenerstickt am Teich
undeutlich dein Spiegelbild
tief drinnen ein Schmerz
erstickter Schrei in Luftfetzen
gewittrig die Atmosphäre
drohend die Dämmerung
Frösteln allein



Entzaubert


Gescheitert ist deine Beziehung
aber du flickst weiter an brüchigen Stellen

gescheitert bist du selbst
aber für einen Neuanfang fehlt der Mut

entzaubert ist deine Gefühlswelt
deine Seele leidet ohne Ende

entzaubert alle materiellen Werte
an denen du dich krampfhaft festklammerst

verzweifelt suchst du neue Wege
ohne die alten ganz verlassen zu müssen

verzweifelt suchst du den Regenbogen
was, wenn du ihn wirklich findest



Gib mir mein Herz zurück


Missbraucht hast du mein Innerstes
geraubt mein Herz

freiwillig wollte ich es dir schenken
weit öffnend meine Seele

blind warst du für meine Signale
taub für meine zittrige Stimme

gib mir mein Herz zurück
Du hast mich nicht verdient



Endstation


...einer schaurig-schönen Geschichte
kein gemeinsames Weiterkommen mehr
vielleicht war es das auch nie

verfahren in einer Sackgasse
zunichte die Hoffnung auf einen Schleichweg
ein Nadelöhr

zu Fuß gehen wir getrennt
mit unserem Gepäck aus Erinnerungen
an Leidenschaft und Selbstqual
Hoffnung und Perspektivlosigkeit
Suche nach Nähe und Distanz
Selbstmitleid und Zügellosigkeit
Freiheit und Schranken
Sehnsucht und Ausbruch
Lebenssinn und Selbstheilung

vor uns ein weiter Weg



Vermiss dich so


Vorbei an Schlössern und Flüssen
die ich nicht seh
vermiss dich so

endlose Schienen und Straßen
immer weiter fort
nur äußerlich vorhanden
mein Herz zerreißt
mag nicht weg von dir
verschleiert die Augen
mögen nicht klar sehen

düster die Bäume
mag nicht lachen heute
vermiss dich so



Heilung


...erwarte ich
werde ich sie erfahren

Medikamente stützen mich
ich will sie nicht mehr brauchen

Erfahrungsaustausch bestätigt mich
ich kann mich öffnen

Naturerlebnisse stärken mich
ich kann freier atmen



Kalt geworden


Armes Kind
warum weinst du so herzerweichend
hast du dir wehgetan
hast du Kummer

armes Kind
warum umarmt dich deine Mutter nicht
warum hastet sie weiter
kann sie dich nicht hören

armes Kind
warum bist du so allein mit deinem Schmerz
gibt es keinen Trost mehr
keine Zärtlichkeit, kein Mitfühlen

es ist kalt geworden hier
nicht nur für Kinder



Ausgebrannt


Nichts
ist mehr so
wie es war

Vergangenes
hat seinen Sinn
verloren

Inhalte
sind plötzlich
entleert

Energien
finden
keine Quellen mehr

ausgebrannt
sind Körper
Seele und Geist

überfordert
habe ich
mein ganzes Sein

erschöpft
suche ich
nach neuen Hilfen

hoffend
ersehne ich
Wärme, Liebe, Stärke



Damals in Weiß


Der Richter spricht das Urteil
eine Ehe wird zu Grabe getragen
Tränen steigen in mir auf
Jahrzehnte rauschen an mir vorbei
damals in Weiß
heute in gedecktem Blau
wenige Minuten verurteilen Jahre



Dein Schatten


Ruhelos hastest du durch dein Leben
suchst Sinn in Zerstreuung in vielen Bereichen
jagst deiner Karriere nach
hetzt von einem highlight zum anderen
versuchst dich ständig in Höchstleistungen

die Angst vor Einsamkeit und Versagen
ist wie eine Endlosspirale

so findest du kaum noch Schlaf
Ruhe in dir selbst hältst du nicht aus
dein Körper ist der eines Athleten
aber deine Seele die eines Einsamen
am Ende bist du nur noch ein Schatten deiner selbst



Schlaflos


Unruhe
die mich überfällt

Schlaflosigkeit
die mich quält

Übelkeit
die in mir aufsteigt

Zittern
das mich befällt

Kälte
die mich durchströmt

Herzflattern
das mich beängstigt

Angst
die mich übermannt

Liebe
die ich suchte



Tränental


Aus ist der Traum
jähes Erwachen aus Hoffen und Bangen
zerrt mich zurück

zerrissen ist das Tuch
auf dem wir gemeinsam lagen
Gefühle waren einseitig

aufgebrochen das Tränental
dessen Tiefe mich verschlingt
endloser Schmerz lähmt

gut geschützt war ich
vor neuer Verletzung
vielleicht die Mauern zu hoch



Er tut mir so weh


Warum
hörst du mich nicht schreien,
Mama
auf meinem Bett gefesselt
in meinem Zimmer eingesperrt

warum
darf der das mit mir tun,
Mama
es tut mir so weh
kann mich nicht wehren

warum
lässt du es immer wieder zu,
Mama
mich lähmt Angst
Alpträume quälen mich

warum
hilft mir den niemand,
Mama
ich fliehe in mich selbst
getötet ist mein Herz



Isolation


Aufs Spiel gesetzt
wurde deine Männlichkeit
ein Fall ins Bodenlose
den rettenden Grashalm suchend

eingetaucht in Meeresuntiefen
finden deine Gedanken den Ursprung

zu wenig Liebe als Kind
zu wenig Achtung
zu frühe Sexualität
zu wenig Tiefe
zu viele Wechsel
zu wenig Anerkennung
zu viel Leistung
zu wenig Geborgenheit
zu viel gegeben
zu wenig bekommen

unerträglich wird dir
die selbstgewählte Isolation
abgeschnitten hast du
den Gradmesser deiner Potenz

mit Handschuhen
suchst du Körpernähe
ein Gefangener auf der Suche
nach wahrer Liebe



Davonlaufen


Was
wenn ich Dich frage
wirst Du tun
wenn Sturm uns umtobt

Die trotzige Natur genießen
sagst Du

Was
wirst Du tun
wenn die Fahnenfarben wechseln

Sich den Gewinnern anpassen
sagst Du

Und was
wenn jemand neben Dir
weint

So schlimm kann’s schon nicht sein
meinst Du

Und
wenn ich
unter Peiniger falle

Um mein Leben
davonlaufen

mich fröstelt



Gelebt werden


Wo sind all die Freiräume geblieben
die ich brauche

versteckt haben sie sich
bis in die letzten Windungen meines Alltags

gelebt werde ich nur noch
Tag um Tag bis an die äußersten Grenzen



Lass los


Hör endlich auf
mir ständig Briefe zu schreiben
du schnürst mir allmählich die Kehle zu

hör endlich auf
mir ständig Fotos zu schicken
du pflasterst mir mein Leben zu

hör endlich auf
ständig an mich zu denken
du raubst mir den nötigen Freiraum

hör endlich auf
ständig an Erinnerungen festhalten zu wollen
du vergisst dabei, im Heute zu leben

hör endlich auf
ständig unsere Zukunft zu planen
Liebe kannst du nicht festhalten

sonst ist sie tot



Kein Morgen mehr


Hast du es nicht gestern erst
noch angedeutet, gestammelt

du siehst keinen Ausweg mehr
keiner kann dir richtig helfen
am wenigsten du selbst
dein Leben haben dir andere diktiert
eine Maskerade ohne Ende

ich brauche Hilfe, hast du geschrien
und hast dich wieder vollpumpen lassen
deine Kinder tappen ohne Halt ins Leere
saugen dich vollends leer

nichts hast du mehr zu geben
nichts bist du geworden
nichts bietet dir Halt

fremd ist dir dein Leben
fremd geblieben bist du dir selbst
lässt andere für dich entscheiden
gibst anderen die Schuld

wirst du jemals
aufwachen wollen
hinsehen wollen
erkennen wollen
verantwortlich sein wollen

für dich
für deine Kinder
für dein Leben

heute haben sie dich gefunden
es gibt kein Morgen mehr



Dich beweinen


Ziellos hastest du durchs Leben
suchst von jedem Kuchen das beste Stück
ewig gierig bleibst du stets unzufrieden zurück

rücksichtslos forderst du,
was dir nicht zusteht
keine Seele
die du nicht zertrampelst

verbittert suchst du
was du selbst nicht geben willst
mir bleibt nichts übrig
als dich zu beweinen



Vergangenheit


Warum nur
lässt du dich nicht abschütteln
Vergangenheit

warum nur
kriechst du immer noch in mir hoch
Vergangenheit

nein
du kannst mich nicht mehr erdrücken
Vergangenheit

nein
ich lass mich nicht mehr fesseln von dir
Vergangenheit

aber
deine Prägung wird mich begleiten
Vergangenheit

du
hast mich leben und erkennen gelehrt
Vergangenheit



Mutter


Bleib doch da
Mutter
ich hab dir noch so viel zu sagen
möchte noch manches klären
mich mit dir auseinandersetzen dürfen

Du kannst doch nicht jetzt schon gehen
Mutter
noch wirst du doch gebraucht
bist immer für uns da
sprungbereit – selbstlos

So darfst du uns nicht verlassen
Mutter
wir werden mit dir kämpfen und hoffen
wollen für dich da sein
sprungbereit – selbstlos

jetzt sind wir dran



Wehrlos


Zurechtgestutzt
haben sie mich

trieblos gemacht
haben sie mich

verletzt
haben sie mich

verkümmert
haben sie mich

wehrlos gemacht
haben sie mich

wild wachsen
will ich



Überlebenskampf


Es war der Krieg
der dich gebrochen hat
die fehlende Kindheit
erdrückende Verantwortung
beengende Religiosität
todkranke Eltern
der egozentrische
und untadelige Bruder

du hattest keine Chance
dich selbst zu finden
etwas Ordentliches zu lernen
eine glückliche Ehe zu führen
dich weiterzubilden
von vorne anzufangen
dich zu befreien
auf Gesundheit zu achten

du warst geprägt von der Pflicht
vom Überlebenskampf
der Selbstaufgabe
unendlicher Hilfsbereitschaft
tragender Gottgläubigkeit
endloser Tätigkeit

heute hättest du
dich fast vergessen



Nichts um jeden Preis


Angst
habe ich plötzlich

vor einer neuen Beziehung
neuen Enttäuschungen
neuen Verletzungen
neuen Fehlentscheidungen

kann
ich mich
vertrauensvoll fallenlassen
Nähe genießen

auf nichts
werde ich
mich einlassen
um jeden Preis



Aids-Angst


Traurigkeit
erfasst mich

Ohnmacht
dringt durch deine Gitterstäbe

kaum berührt
bleibt meine ausgestreckte Hand

Angst
vor tödlicher Freiheit

Sterilität
als Schutzraum

Zärtlichkeit
als Falle

Beziehung
mit Maulkorb

Aids-Angst
als Liebestöter



Angeknickt


Tief verletzt
habe ich dich
nicht stark genug
warst du für meine Ehrlichkeit

war die Rückblende
nicht notwendig
um das Wunder der Veränderung
zu begreifen

hätte ich
verschweigen sollen
was mich
noch letztes Jahr gequält hat

angenickt habe ich
die junge Pflanze unserer neuen Begegnung
ihre Verletzlichkeit
nicht gesehen

behutsam pflegen
will ich sie
damit sie
neu erstarkt

Vergangenes
hat seine Macht verloren
lass uns weiter
Neues säen



So nicht!


Genug geprüft
genug gesprochen
genug gehört
genug gesehen
genug geöffnet
genug geklärt

Nein
so nicht!


Kriegs-Alltag, der 9.


Wachrüttelnde Bilder -
sind sie authentisch?

Wiederkehrend gewohnte Berichte -
ich will mich nicht gewöhnen!

Soldat rettet Kind aus Kugelhagel -
ist Irrsinn zu verstehen?

Aus Ver-Sehen wird falsch getötet -
ein Drama ohne Ende!

So scheint Kriegs-Alltag zu sein -
haben wir schon vergessen?



Erde brennt


Sie zünden Lichter an
für den Frieden
wird nicht gehört

sie protestieren
gegen Unterdrückung und Gewalt
wird nicht gehört

sie werden verhaftet
als unbequeme Ideologisten
wird nicht darüber geredet

Völkerrecht wird gebeugt
zum eigenen Vorteil interpretiert
der Bumerang kehrt gnadenlos zurück

Unterstützung wird teuer erkauft
miteghangen, mitgefangen
arme Nein-Sager werden noch ärmer

Ultimaten werden zahllos gestellt
die Welt hält den Atem an
das Resultat stand längst fest

der erste Morgenruf zum Gebet
erste Sirenen reißen aus dem Angsttaumel
Erd' und Kreatur beginnen zu brennen

Gewalt erzeugt Gegengewalt
eine Gleichung ohne Ende
solange Frieden und Tolleranz in uns nicht siegt



Kriegskinder


Wie
soll ich dir erklären
mein Kind
warum es Unrecht und Leid gibt
auf dieser Welt
und warum die Vögel aufgehört haben
zu singen

Wie
soll ich dir erklären
mein Kind
warum so viele Landsleute
unheilbar krank geworden sind
und dein Bruder
an meiner Brust verhungert

wie
soll ich dir erklären
mein Kind
warum unser reiches Land
so arm ist
und wir keine Medizin mehr
für deine Schwester bekommen

wie
soll ich dir erklären
mein Kind
warum die Mächtigen dieser Welt
belügen und betrügen
und unsere Pflanzen
nicht mehr wachsen wollen

wie
soll ich dir erklären
mein Kind
warum die Großeltern
in Tränen ersticken
und du nicht spielen darfst
jenseits des Zauns auf verminter Wiese

wie
soll ich dir erklären
mein Kind
warum damals
Kain seinen Bruder Abel erschlagen hat
und die Soldaten der Reichen
schon vor unserem Tor stehen

wie



Wehe euch...


Oh ihr Schlächter dieser Welt
wann endlich werden eure Taten gerächt
keine Würde für Mensch und Tier
eure Macht scheint grenzenlos

zu viele der kleinen Katzenkinder
deren ihr nicht Herr werdet
ein lefzender Hund als Lösung
durch die kinderfreundliche Ferienidylle gejagt

zu wenig Wirschaftswachstum
Arbeitslose und Unzufriedene allenthalben
legalisiert wird der Kampf gegen alte und neue Unruheherde
unbeugsame Machthaber als Alibi des Rüstungswahnsinns

kaum geboren, gefleckt-klebriges Kälbchen
achtlos und heimlich auf den Hänger geschleudert
profitlos dein falsches Geschlecht für den seelenlosen Hofherrn
eine rasch ausgehobene Grube beendet dein grausames Schicksal

jahrhundertealt der Völkerkonflikt jenseits der Berge
zahlloses Gemetzel aus Macht- und Wirtschaftsgier
medienwirksame Geiselnahme vor Thrones Augen
rücksichtsloses Vergasen als Rechtfertigung eigener Ohnmacht




eine Endlosspirale geknechteter Kreaturen
keine Achtung und Liebe allem Sein gegenüber

doch, wehe euch, ihr Schlächter dieser Welt
der Sensenmann wartet schon auf eure Ernte



Sie ging zu weit


Du hast kein Recht
uns immer wieder
vor eine Mauer laufen zu lassen

du hast kein Recht
dir den Glanz abzuholen
den du nicht verdienst

wir haben genug
vom Ertragen deiner Allüren
um gemeinsamer Kinder Willen

wir haben genug
vom Ausstreuen deiner Halbwahrheiten
um deinen eigenen Kopf zu retten

wie hoch ist der Preis
deinen neuen Mann zu verleugnen
um alte Vorteile zu genießen

wie hoch ist der Preis
sich gegen dich nicht wehren zu können
einer alten Abmachung wegen



meine Seele bebt
vergangen ist mein Lachen
du gingst zu weit



Phantasien


Wieder geht ein Tag zu Ende
seltsame Leere beklemmt mich
allein an diesem Ort

wieder sehne ich mich nach deiner Nähe
fürchte die Einsamkeit
Dunkelheit bricht über mich herein

wieder begegnen sich unsere Phantasieen
träumt mein Innerstes
was nicht sein darf


Zahltag


Heut ist Zahltag
jeder kommt dran

die einen gebückt
geschlagen gemobbt
die anderen mächtig
erhaben siegessicher

ganz hinten die Verlierer
missachtet verlegen
dazwischen die Mitläufer
aalglatt marschierend

die Kasse klingelt
jeder sackt ein
bald blankes Entsetzen
bestimmt ein Versehn

jeder geht heim
beschämt schweigend
sie wurden entlohnt
unerwartet gerecht


Mai-Tränen


Mitten im Mai
so um die Mittagszeit
fand ich mich wieder
in meiner Einsamkeit
auf der Terasse
eines kleinen Schlosses
zu Füßen ein See
umfasst von einem Wald


der Himmel
war wolkenverhangen
ein frischer Wind
ließ mich frösteln
Scharen von Ausflüglern
zogen immer näher
verführerischer Küchenduft
stieg mir in die Nase


noch übertönten die Vögel
das Geschehen
fernes Glockengeläut
ermahnte den Zeitenlauf
lärmende Flugzeuge
waren Zeugen der nahen Großstadt
übermütige Hunde
jagten bellend durch die Idylle


vergeblich versuchte ich
mich abzulenken
fühlte immer drängender
mein Herz pochen
hörte in mir wohlvertraut
Deine Stimme
schmeckte das Salz meiner Tränen
auf den leeren Lippen



Ambivalenz


Bist du
so tief verletzt
dass du
meine ausgestreckte Hand
nicht sehen kannst


ist dein männlicher Stolz
so genickt
dass dir
Selbstvertrauen
für neue Begegnungen fehlt


lohnt es sich für mich
zu warten
bis du
wieder
beziehungsfähig bist


oder
werden dich
auch dann
Ambivalenzen
quälen



Alptraum einer Krankheit


Tödlicher Schicksalsschlag
infiziert in dir blitzartig
deine Nervenzentrale

du gerätst außer Kontrolle



unsägliche Lasten
werden alptraumartig
deinem sensiblen Wesen aufgebürdet

du wirst gelähmt



Wirklichkeit
huscht wie eine rasante Diaschau
in deinen Augen vorbei

du bist verwirrt



quälende Schmerzen
treiben dich hilflos
auf den Jahrmarkt der Therapiesuche



wann wird es Heilung geben



Adieu Rosentochter


Ich steh' an der Tür
meines offenen Herzens
und sehe ihr nach
kein Blick geht zurück

ich brauch' dich nicht mehr
sag' nicht mal, wohin ich geh'
so schreits in mein Herz
das zum Bersten wehklagt

warst einst meine Rose
geliebter Wirbelwind wurd' flügge
warst Freundin und Vertraute
deine Seele oft verletzt

ich steh' und gehe oft weinend
hab' so Vieles mit dir geteilt
kann dein Misstraun nicht verstehen
liebste Tochter, was ist geschehn

mein Blick streift in die Ferne
begleite dich in Gedanken
Liebe lässt sich nicht verbieten
steh' an meiner Herztür und warte



Schmetterlingskämpfe


Sie kriechen aus allen Ecken
und fressen mich auf

fühle mich wie ein Schmetterling
gefangen im Netz der Spinne

sie saugen meinen Lebenssaft
zurück bleibt eine leere Hülle

verzweifelt strample ich mich ab
doch meine Kraft ist am Ende



Gedanken über Leben und Tod


Ich mache mir zur Zeit
unendlich viele Gedanken
sorgende, bekümmernde
traurige, mich auffressende
über's sich umeinander kümmern
sich füreinander interessieren
füreinander da zu sein
nicht erst
wenn Krankheit, Notfall oder Tod
vor der Tür stehen
einander loslassen
wenn es an der Zeit ist
wenn der Loszulassende
einen nicht mehr braucht
oder brauchen will
für sich selbst zu sorgen
um nicht von all den Sorgen
und den Alltagsverpflichtungen
aufgefressen zu werden


möchte Brücke sein
doch meine Wirbel
halten wieder nicht Stand


sehe manch Unheil
und unsichere Zukunft
doch die Erfahrung der weisen Alten
will nicht gehört werden


Irgendwann werde ich
das nicht mehr brauchen
denn der Zahn der Zeit
nagt auch an mir


irgendwan wird
Ruhe und Friede sein
den jeder ersehnt
und der nie von alleine einkehrt


Doch heute weiß ich
ich kann nicht mehr

tun



Herztod


Der Tod berührt
mein Herz erstirbt
mir ist so kalt
du bist so fern
ein Schicksalsschlag
die Nerven blank
Salzrinnsal auf den Lippen
Nächte sind lang



Die Schlange im Paradies


Sie schleicht sich herein
wie eine Schlange
in unser Leben
so zuckersüß

Sie biedert sich an
immer und immer und immer wieder
mit ihren vergifteten Äpfeln
für Zwietracht und Eifersucht

Sie schaut begehrend
auf dich zurück
schon bereit zum Absprung
aus der Beziehung von heute


Bist du ihr nicht zahlreich
vor Jahren wiederholt erlegen
glaubst du wirklich, sie hätte vergessen
wo sie schon heute so Vieles vermisst?

Du sagst, sie sei krank
und ich brauch mich nicht zu sorgen
doch ich sorge mich krank
ihr Pfand ist fest in ihrer Hand


Was hab ich schon zu bieten
außer mich und meine Liebe
und die Angst, dich zu verlieren!
Hast du die eigentlich nie?


Wenn du der Schlange den Finger hinhältst
nimmt sie bekanntlich die ganze Hand
riechst du am scheinbar ungefährlichen Apfel
betört dich doch der Duft Eurer vergangenen Tage


Ich brauch klare Grenzen
um gesund zu atmen
und deine Liebe
klar und ungeteilt


Du musst dich entscheiden
meine Gefühle nicht zertrampeln
als wären sie Humbuk
und für nichts zu gebrauchen


Deine arglosen Blicke
auf die Äpfel der Schlange
vergiften unser Leben!
Was bin ich dir wert?



Gefangen in Sehnsucht


Du hältst mich gefangen
kann kaum noch atmen
erdrückend die Sehnsucht
nach Liebe und Glück


wollt doch nur Nähe
ohn Angst und Schmerzen
doch niemals Enge
der Tod meiner Seele


muss ich dir nun danken
randvoll an Enttäuschung
will dich nicht verletzen
hab mich fast verloren


bin in mir gefangen
such den Weg zum Regenbogen
entdeck mich im Spiegel
und seh zartes Leuchten



Grenzenlos verloren


Er hat sich verloren
war als Kind schon zu reif
Gefühle dick eingemauert
nun tut nichts mehr weh.


Er war nie wie die andern
nicht gekonnt, nicht gewollt
dafür aber besser
und selbstlos vielleicht


Viel zu ruhig ,zu verschlossen
wehe, wenn er ausbricht
Vulkan tiefster Gefühle
verbrennt selbst fast dabei


Auch heut muss er fliehen
vor dem Spiegel seiner selbst
sucht Freiheit, sucht Heimat
ohne Grenzen in Opferliebe



Schrei im Mühlstein


Mühlsteine zerren
mein Kleid verhängt
wird immer enger
krieg keine Luft


Die Zacken so groß
blitzblank in der Sonne
ist kein Entrinnen
Schreien macht taub


Die Seele erwischt
zerstückelt der Sinn
das Unmögliche gewollt
zermahlen wie Staub



Wann stirbt die Hoffnung


Warum ist es, wie es ist
warum darf unsere Sprache keine Zwischentöne mehr zulassen
Gefühle sind gestorben oder in die Tiefe verbannt
wir reden nur, wenn es nicht anders geht
ich fühle mich verletzt, in eine Ecke gedrängt, aus Deinem Leben gestrichen
darf nicht mehr teilhaben an Deinem Sein


dabei sehe ich doch, wie Du leidest
Dein Gesicht ist zur Fassade verkommen
Dein Körper schreit nach Befreiung
Du stürzt ab in Selbstablehnung und scheinbarer Unverletzlichkeit
nie mehr fühlen müssen
zu viel hat weh getan
was ist schon Liebe
gibt es Vertraun


was allein noch zählt, bist Du selbst
Dein Weltbild scheint unerschütterlich
Deine Logik verträgt keine Kritik
wo bleibt Spontanität
wo darf Entwicklung sein
bist grade mal erwachsen
und doch so stur, wie manch einer der Alten


das Leben ist nicht einfach
steckt doch voller Überraschungen
und nichts ist fertig
gar Vieles nicht planbar


wir müssen uns bewegen
wenn Starrheit nicht töten soll
aufeinander zu und voneinander weg
die Hand reichen und sich umdrehen dürfen
Verletzungen heil werden lassen
und Glück und Trauer aushalten
ohne Angst, sich dauerhaft zu verlieren


denn zuletzt stirbt die Hoffnung



Illusionen


Da sitzt nun die Angst
im Nu zu verletzen
vielleicht zu zerstören
Deine heile Welt


Ich hatte den Vorsprung
viel zu viel schon erfahren
genug schon gelitten
am Ende allein


Man hat mich verschwiegen
nur das Nest nicht beschmutzen
in dem andere jetzt sitzen
nicht gefährden den Ruf


Heut stehn wir am Grabe
noch immer mit Fragen
sind Kinder der Lust nur
viele haben ihn geliebt


Fassaden die bröckeln
Licht bringts an den Tag
wir erkennen nur zaghaft
ein Farbenspiel der Illusion





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Zuletzt geändert am 16.08.2009
© by ghost-land
Koralle 2009